Was tun wenn man an nichts mehr Freude hat?

Plötzlich gar nichts mehr zu fühlen, kann ein sehr beängstigender Zustand sein. Vielleicht verstehst du nicht, was mit dir passiert und fragst dich, warum du nichts mehr fühlst. Das kann viele Gründe haben. Oft ist dieser Zustand eine Art Schutzmechanismus unserer Psyche: Das kannst du dir wie eine Theateraufführung vorstellen, zu der viel zu viele Menschen gekommen sind. Wenn der Theatersaal gefüllt ist, können keine weiteren Gäste in den Saal gelassen werden. Die Türen werden geschlossen. Egal wie viele Menschen sich davor drängen und ebenfalls in den Saal wollen. Genauso macht auch unsere Psyche zu, wenn viel zu viel Gefühle wild gegen die Tür klopfen und darauf drängen, reingelassen zu werden. 

Dieser Schutzmechanismus unserer Psyche ist also zunächst etwas Gutes, denn er schützt uns davor, von zu vielen belastenden Gefühlen überflutet zu werden. Problematisch wird dieser Mechanismus dann, wenn er über einen langen Zeitraum bestehen bleibt und wir es nicht schaffen, unsere Gefühle zu verstehen, einzuordnen und behutsam zuzulassen.

Dann kann es passieren, dass wir in diesem Zustand der inneren Stille verharren. Die Tür unseres Theatersaals ist in diesem Fall so fest verschlossen, dass zwar keine neuen belastenden Gefühle mehr eintreten können, aber auch all die belastenden Gefühle im Inneren des Theatersaals nicht mehr austreten können. Sie stecken sozusagen fest. 

Wie entsteht die Gefühllosigkeit?

Wie bereits erwähnt, kann es vor allem dann dazu kommen, dass wir nichts fühlen, wenn uns zu viele belastende Gefühle zu überfluten drohen. Doch wie kommt es überhaupt zu dieser Überflutung? 

Nichts mehr fühlen durch zu viel Stress 

Wie bei vielen psychischen Belastungen kann auch hier chronischer Stress eine wichtige Rolle spielen, denn die Verarbeitung von Gefühlen braucht Zeit. Vor allem dann, wenn es sich um belastende Gefühle handelt. In Phasen, in denen wir sehr viel Stress erleben, kann uns diese Verarbeitung daher besonders schwerfallen. Wir haben schlichtweg keine Zeit oder keinen Kopf dafür. Ähnlich wie bei Autos in einem Stau, stauen sich immer mehr Gefühle auf, fangen wild an zu hupen und wollen unbedingt gehört werden. Erst wenn wir ihnen Raum geben, um da sein zu dürfen, können sie schwächer werden und mit der Zeit in einigen Fällen ganz verschwinden. Der Stau kann sich dann also auflösen und die vielen kleinen und größeren Autos mit den belastenden Gefühlen im Gepäck mit der Zeit davon fahren. 

Zu starke und belastende Gefühle 

In anderen Fällen ist es weniger die Anzahl der belastenden Gefühle, die uns überfordert. Hier sind es einzelne Gefühle, die so stark und belastend sind, dass wir sie nicht verarbeiten können. Das eine starke Gefühl ist dann wie ein Luftballon, der sich in unserem Inneren immer weiter aufbläst, bis er uns irgendwann komplett ausfüllt. Wir können ihn weder greifen, noch lässt er Raum für andere Gefühle. Das kann zum Beispiel nach einer Trennung oder dem Verlust eines geliebten Menschen der Fall sein. Vielleicht hast du selbst schon einmal die Erfahrung gemacht, dass es dir in einer solchen Situation besonders schwerfiel, deine Traurigkeit zu überwinden und du dich irgendwann einfach nur noch leer gefühlt hast. 

Nichts mehr fühlen bei Depressionen

Wenn sich zu viele oder einige wenige sehr starke belastende Gefühle über einen langen Zeitraum anstauen und nicht verarbeitet werden, kann daraus eine Depression entstehen. Betroffene fühlen sich antriebslos, niedergeschlagen und innerlich leer. Selbstzweifel können in einer Depression dazu führen, dass Betroffene an ihren eigenen Gefühlen zweifeln. Das kann es noch schwerer machen, Gefühle zuzulassen und zu verarbeiten. Gefühllosigkeit kann aber nicht nur ein Anzeichen für Depression, sondern auch für weitere psychische Erkrankungen, wie zum Beispiel die Borderline Persönlichkeitsstörung sein.

Gefühllosigkeit als Folge von Traumata

Der Zustand des Nichtfühlens kann auch ein Zeichen für nicht verarbeitete Traumata sein. So kann es zum Beispiel passieren, dass Menschen, die in der Schule gemobbt wurden, in für sie schwierigen sozialen Situationen in eine Art Starre oder Taubheit verfallen. Das kann so weit gehen, dass sie ihre Umwelt nur noch wie durch einen Schleier wahrnehmen und sich selbst eher als Beobachter der Situation fühlen. In der Psychologie nennt man diesen Zustand des Losgelöstseins von sich selbst auch Dissoziation. Zu einem früheren Zeitpunkt im Leben, als sich die betroffene Person in schwierigen Situationen (z.B. beim Mobbing in der Schule) nicht wehren konnte, dienten sie als Schutzmechanismus der Psyche.

Was kann ich tun, wenn ich nichts mehr fühle?

Es gibt viele Strategien, die dich im Umgang mit dem Gefühl, nichts zu fühlen, unterstützen können. Wir haben dir einige der wichtigsten zusammengestellt. 

Selbstfürsorge

Wenn wir uns zum ersten Mal in der Situation befinden, nichts mehr zu fühlen, wissen wir oft nicht, warum es uns so geht und welche Gefühle eigentlich gehört werden wollen. Das ist zunächst auch nicht das Wichtigste. Wichtig ist nämlich vor allem, dass du für dich selbst sorgst. Unternimm etwas, das dir guttut. Vielleicht hilft dir eine warme Dusche oder dein Lieblingsessen. Oder vielleicht brauchst du die Nähe zu anderen Menschen. Wenn es dir schwerfällt, über deine eigenen Gefühle zu sprechen, kann manchmal auch das bloße Miteinander mit dir nahestehenden Personen dabei helfen, dass es dir besser geht. 

Sobald du dich etwas stärker fühlst, lohnt sich die Frage danach, was dich in diesen Zustand des Nichtsfühlens gebracht hat. Journaling kann eine hilfreiche Methode sein, um deine Gedanken zu ordnen und deine Gefühle besser zu verstehen. Vielleicht helfen dir auch Meditation oder Yoga dabei, loszulassen und dich selbst wieder besser zu spüren. 

Professionelle Hilfe aufsuchen

Wenn das Gefühl, nichts mehr zu fühlen, über einen langen Zeitraum andauert, kann das Aufsuchen von professioneller Hilfe ein wichtiger Schritt zur Besserung deiner Beschwerden sein. Eine Psychotherapie kann dir einen geschützten Raum bieten, in dem du gemeinsam mit einer Psychotherapeutin oder einem Psychotherapeuten deine Gefühle neu ordnen, behutsam zulassen und verarbeiten kannst. Psychotherapeutinnen und -therapeuten haben Erfahrungen mit Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben bzw. machen und können dir die Angst vor der Leere in deinem Inneren und der Wucht der anklopfenden Gefühle nehmen.

Vielleicht ist aber auch die Teilnahme an unserem Stress und Burnout Online-Therapiekurs genau das Richtige für dich. Mit anschaulichen und wirkungsvollen Übungen helfen wir dir dabei, in stressreichen Situationen achtsamer mit dir selbst und deinen Gefühlen umzugehen. Das Beste: Den Kurs gibt es auf Rezept und damit für dich kostenfrei! Lass ihn dir ganz einfach von deiner Hausärztin oder deinem Psychotherapeuten verschreiben. 

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Autorin:

Was tun wenn man an nichts mehr Freude hat?

Anna Unger-Nübel Psychologin

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    Wieso macht mir nichts mehr Freude?

    Anhedonie und Depressionen Anhedonie ist neben gedrückter Stimmung und Antriebsmangel eines der zentralen Symptome von Depressionen. Anhedonie kann jedoch auch bei Angststörungen, Schizophrenie, Suchterkrankungen und Demenz vorkommen.

    Wie kann ich wieder Freude empfinden?

    Versuchen Sie sich intensiv zu erinnern, stellen Sie sich Szenen und Bilder detailliert vor und empfinden Sie Glück und Freude noch einmal nach. Auf diese Weise lassen sich positive Emotionen aus der Vergangenheit noch einmal wiederbeleben, um in der Gegenwart die Lebensfreude zu steigern.

    Was tun wenn man keine Freude mehr empfindet?

    Unter Anhedonie versteht man den Verlust der Fähigkeit, in Situationen, die früher Freude bereitet haben, wieder Freude zu empfinden. Das Symptom kann bei verschiedenen psychischen Störungen auftreten, etwa bei einer Depression oder schizoiden Persönlichkeitsstörung, aber auch bei körperlichen Erkrankungen.

    Wie komme ich wieder zurück ins Leben?

    Ein wichtiger Punkt, um zurück ins Leben zu finden, besteht jedoch auch darin, sich zu überwinden und etwas zu unternehmen: Dadurch wird die Lebensfreude gesteigert und Betroffene lernen, wieder einen Sinn in ihrem Leben zu sehen.