Kann ich Benzin in Diesel tanken?

Es gibt Fehler, die kann man verschmerzen. Und dann gibt es solche, die schnell zu einem teuren Desaster werden können. Wer dem Tankvorgang nicht seine ungeteilte Aufmerksamkeit widmet, kann leicht einen Fehler der zweiten Kategorie machen. Mittlerweile gibt es fast mehr Treibstoffe an der Tankstelle als Weinsorten in Frankreich, und besonders die Autos mit längeren Preisschildern sind echte Sommeliers. Was aber passiert, wenn Diesel im Benzintank landet, und wie verhindert man einen Motorschaden? PKW.de hat die Antworten.

Kann ich Benzin in Diesel tanken?

von Jonas Futschik, Redakteur*in bei PKW.de 20.04.2020

  1. Was sind die Unterschiede zwischen Benzin und Diesel?
  2. Kann man mit Diesel im Benzinmotor weiterfahren?
  3. Wie schlimm ist das Betanken eines Dieselmotors mit Benzin?
  4. Wie viel schneller fährt mein Auto, wenn ich es statt mit Normalbenzin mit Superbenzin fülle?
  5. Welche Sonderfälle gibt es?

Was sind die Unterschiede zwischen Benzin und Diesel?

Sowohl Benzin als auch Diesel werden durch die Destillation von Erdöl gewonnen. Der Unterschied in der Herstellung liegt in der Temperatur: Benzin kondensiert erst bei etwa 150 °C, während Diesel schon bei etwa 300 °C flüssig wird. Das Resultat: Dieselkraftstoff ist zäher als das leicht flüchtige Benzin. In einem Dieselmotor wird der schwere Diesel durch die Hitze zur Explosion gebracht, die beim Verdichten des Diesel-Luft-Gemisches entsteht, im Benzinmotor muss eine Zündkerze nachhelfen. Diesel- und Benzinmotoren funktionieren also nach einem ähnlichen Prinzip, der Zündvorgang erfolgt aber bei verschiedenen Verdichtungen und Temperaturen. Diesel ist übrigens so schädlich, weil Stickoxide als Abgase entstehen, mit dem Sauerstoff in der Luft reagieren können und so das gesundheitsschädliche Stickstoffdioxid entsteht. Aber auch unter den Diesel-Fahrzeugen gibt es schädliche und weniger schädliche Autos und AdBlue hilft, die Gesundheitsgefahr, die von den Abgasen ausgeht, einzuschränken. Umweltzonen halten besonders gesundheitsgefährdende Wagen aus den Innenstädten fern.

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Kann man mit Diesel im Benzinmotor weiterfahren?

Wer seinen Benziner mit Diesel betankt, der muss sich schon sehr anstrengen, denn häufig sind die Zapfpistolen so angelegt, dass sie gar nicht in den Einfüllstutzen passen. Ist das Missgeschick trotzdem passiert, sollte der Motor nicht mehr angelassen werden, bis der Kraftstoff komplett abgepumpt und die Einspritzanlage einer gründlichen Reinigung unterzogen wurde. Der ölige Dieselkraftstoff verstopft sonst schnell die feinen Einspritzdüsen, kann die Benzinpumpe beschädigen und beim Zündvorgang den Kolben, die Pleuel oder den Zylinderkopf zerstören. Die Reparatur eines solchen Schadens kostet meist mehrere Tausend Euro und dauert Wochen. Wer also nur den teuren Benzinpreis umgehen will, indem er Diesel tankt, sollte es sich besser nocheinmal überlegen.

Wie schlimm ist das Betanken eines Dieselmotors mit Benzin?

In einem Dieselmotor übernimmt der Kraftstoff selbst einen Teil der Schmierung. Besonders kleine Bauteile wie die Einspritzpumpe oder Ventile werden durch den konstanten Dieselfluss geschmeidig gehalten. Das hochdestillierte Benzin wirkt hier wie ein Lösungsmittel und entfernt den schützenden Schmierfilm. Selbst, wenn man einen modernen Diesel mit Ölschmierung fährt, droht der Motorschaden, denn Benzin verbrennt im Dieselmotor viel zu früh, der Motor beginnt zu „nageln“. Auch hier besteht die Gefahr eines kapitalen Motorschadens.

Wie viel schneller fährt mein Auto, wenn ich es statt mit Normalbenzin mit Superbenzin fülle?

Prinzipiell kann man einen Motor, der auf Superbenzin ausgelegt ist, auch mit normalem Benzin betreiben. Allerdings sollte man von seinem Auto dann keine Höchstleistung fordern. Schnelle Autobahnfahrten, Anfahren am Berg und ähnlich anspruchsvolle Aufgaben führen dann zu einem Klopfen des Motors, das, ähnlich wie beim Dieselmotor, einen Motorschaden nach sich ziehen kann. Es gilt also: Langsam fahren und so schnell wie möglich Superbenzin nachtanken.

Welche Sonderfälle gibt es?

Besonders gefährlich war der Fall eines Jägers in Hessen, der statt Benzin das Bleichmittel Wasserstoffperoxid in den Tank seines Autos geschüttet hatte. Dieser Stoff wird zwar auch als Treibstoff genutzt, aber nicht für Autos, sondern für Raketen. Das Auto konnte natürlich nicht mehr gerettet werden, viel problematischer war aber die Evakuierung von 5 Wohnhäusern im Umkreis, bis die Feuerwehr überzeugt war, dass von dem Geländewagen keine Explosionsgefahr mehr ausging. Egal, wie schlimm sich Ihr Missgeschick auch anfühlen mag, denken Sie daran: Immerhin haben Sie nicht versucht, Ihr Auto mit Raketentreibstoff zu betreiben.

Es ist gar nicht so selten, dass Leute falsch tanken. An den Tankstellen gibt es immer mehr Zapfsäulen, da ist die Verwechslung schnell passiert. „Das hat aber auch sehr viel mit Unachtsamkeit zu tun und auch mit Gewohnheiten“, glaubt Gino Decoster.

Einige Hersteller haben aber bereits reagiert und ihre Tankstutzen entsprechend angepasst, so dass nur der richtige Kraftstoff reingeht. „Es gibt verschiedene Fahrzeughersteller, die seit einigen Jahren einen Verschluss machen, der sich nur öffnen lässt, wenn man mit die richtigen Zapfpistole einführt, die also von der Norm her einen entsprechenden Durchmesser haben“, erklärt Decoster.

Benzin im Dieselmotor ist dabei wesentlich schlimmer, als umgekehrt Diesel in den Tank eines Benziners zu tanken. „Wenn ich ein Diesel-Fahrzeug habe, sollte ich auf gar keinen Fall Benzin tanken. Die Einspritzanlage wird dann nämlich sehr stark leiden. Bei den früheren Dieselfahrzeugen mit Verteilereinspritzpumpe oder Reiheneinspritzpumpe war das nicht so schlimm, aber heute bei dem Common-Rail-System oder bei Pumpendüsen, ist Benzin tödlich für die Einspritzanlage.“

Wer zur falschen Zapfpistole gegriffen hat und es bemerkt, sollte das Fahrzeug auf jeden Fall stehen lassen, Hilfe rufen und den Kraftstoff absaugen lassen, rät Decoster. Bei einer geringen Menge besteht aber kein Grund zur Panik. „Wenn ich gerade erst die Zapfpistole gedrückt habe und ich erst einen Liter drin habe, dann kann man das vernachlässigen – in beiden Fällen“, so Decoster.

Wie viel Benzin darf im Diesel sein?

In Kleingaragen dürfen bis zu 200 Liter Dieselkraftstoff und bis zu 20 Liter Benzin in dicht verschlossenen, bruchsicheren Behältern aufbewahrt werden." Bei Diesel ist deutlich mehr erlaubt als bei Benzin, weil er nicht so leicht entzündlich und deswegen nicht so gefährlich ist.

Was ist schlimmer Benzin in Diesel oder andersrum?

Benzin im Dieselmotor ist dabei wesentlich schlimmer, als umgekehrt Diesel in den Tank eines Benziners zu tanken. „Wenn ich ein Diesel-Fahrzeug habe, sollte ich auf gar keinen Fall Benzin tanken. Die Einspritzanlage wird dann nämlich sehr stark leiden.

Was passiert wenn man Benzin statt Diesel getankt hat?

Haben Sie Benzin statt Diesel getankt, setzen sich die Kraftstoffleitungen und die Einspritzung zu. Das hat zur Folge, dass das komplette System getauscht werden muss. Überhören Sie die ankündigenden Signale, kann es zu einem Motorschaden kommen.

Was kann ich statt Diesel tanken?

Grundsätzlich eignen sich viele verschiedene Pflanzenöle – kurz Pöl genannt – als Kraftstoff für Dieselmotoren. In Deutschland wird meist Rapsöl benutzt, doch Sie können auch Sonnenblumenöl (herkömmliches Salatöl) tanken.