Carl schmitt souverän ist wer über den ausnahmezustand entscheidet englsich

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Im Rahmen eines Blockseminars sowie eines szenischen Projekts soll mit Frankfurter Studierenden und einem kleinen künstlerischen Team aus Norwegen eine szenische Übung (Etüde) unter dem Titel «Zustände der Ausnahme» erarbeitet werden. Dabei soll mit dem sogenannten Konzept des «Scenic DUB» (Erklärung folgt unten) experimentiert werden. Ausgangspunkt dabei wird ein künstlerischer und gedanklicher Dialog mit dem Lehrstück Die Maßnahme von Bertolt Brecht und Hanns Eisler, mit Brechts Fatzer-Fragment sowie mit Niccòllo Machiavellis Der Fürst sein.

Das Projekt ist als Zusammenarbeit der Goethe-Universität mit der freien Theaterkompanie Transiteatret-Bergen angelegt, und wird hauptsächlich auf Englisch gehalten.

Der «Ausnahmezustand» beschreibt Situationen, in denen die üblichen Gesetze und Regeln ausgesetzt werden, oft aufgrund einer Katastrophe oder eines unvorhergesehenen Ereignisses. Im Ausnahmezustand wird eine kritische Situation beschrieben, in der Entscheidungen getroffen werden müssen, die von allen zusammen zu finden sind – und dies ohne Rückgriff auf bestehende Normen und Regeln. Von daher kann der Ausnahmezustand als existenzieller Nullpunkt von Politik begriffen werden. «Die Ausnahme denkt über das Gewöhnliche mit energetischer Leidenschaft nach», schrieb Søren Kierkegaard. «Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet», formulierte Carl Schmitt. Zugleich ist der Ausnahmezustand immer eine Möglichkeit, er kann jederzeit eintreten, überall, und überall kann er zum Dauerzustand werden.

«DUB» kam als musikalische Form Ende der 60er-Jahre in Jamaica als politische Protestform auf. Der Solist wurde dabei durch das Mischpult ersetzt, wodurch sich eine kritische Neuorganisation der musikalischen Perspektiven, der Hierarchien sowie der Hörformen und Arbeitsweisen ergab.

Der experimentelle Theaterraum trägt selbst in sich das Potential eines Ausnahmezustandes: Regeln können beseitigt, Gesetze aufgelöst, Gedankenexperimente unternommen werden, Hierarchien können sich umkehren und Dinge, die man anderswo nicht sagen kann, können ausgesprochen werden. Das Konzept eines «Scenic DUB» ist im Grunde der Versuch eines reziproken Umbaus, aus dem sich eine neue (musikdramatische) Gattung ergeben soll: Im gleichen Maß, wie die musikalischen DUB-Strategien und ihre Formen des Denkens und Arbeitens auf die Bühne übertragen werden, muss die DUB-Musik das Theater in ein ausgedehnteres Gefüge von Raum, Bewegung, Aktion und (Radio)-Stück integrieren. Die Voraussetzung für einen solchen Umbau ist ein künstlerischer Prozess, der dem Credo der DUB-Musik korrespondiert: Ein Team von Musikern, Schauspielern, bildenden Künstlern, Animatoren und Sound Designern arbeitet zusammen an einem gemeinsamen Ziel – auf unterschiedliche Weise und auch zu unterschiedlichen Zeiten. Zwangsläufig ist dabei nicht jeder die ganze Zeit über während des Probenprozesses und der Mischung der Performance anwesend, aber jeder arbeitet am gleichen Ziel. So wie im klassischen DUB Mix verschiedene Zugänge verschiedene Perspektiven ergeben und verschiedene Perspektiven verschiedene Erfahrungen

Mythopoetische Rechtsstiftung und die Entdeckung der Gerechtigkeit – Vom gesprochenen Wort zum schriftfixierten dikaiosyne-Begriff

  • Oralität und Literalität – Korrelationen in Literatur und Recht

  • Das Recht der Entscheidung

  • Die Aufwertung des Wortes

  • Wie den Dezisionismus deuten?

  • Dezisionistische Wahlverwandtschaften – Strukturanalogien konkreter Ordnung

  • Die Rechtslehre Andrej Vyšinskijs

  • Die Entscheidung auf der Bühne – Die theatrale Anverwandlung der Dezision in Bertolt Brechts Lehrstück Die Maßnahme

    Unter dem Titel „Ausnahmezustand“ hat Giorgio Agamben (2003) eine kleine Schrift veröffentlicht, die an den zitierten Satz von Carl Schmitt anknüpft und die Irritation oder den Ausnahmezustand zur Regel erklärt oder – in den Worten von Agamben – zum “Dispositiv, das in letzter Instanz die beiden Seiten der rechtlich-politischen Maschine zum Ausdruck bringen muss und dabei eine Schwelle der Unentscheidbarkeit errichtet, zwischen Anomie und Nomos” (2003, 101). Es handele sich dabei nicht um ein Sonderrecht, sondern um die„Schwelle“, an der jede Rechtsordnung stehe (Agamben 2003, 11). Denn das Gesetz als solches bleibe zwar in Kraft, seine Anwendung werde aber suspendiert (41). Den Ausnahmezustand sieht Agamben deshalb in der Möglichkeit „außerhalb der Rechtsordnung zu stehen und doch zu ihr zu gehören“ (45). Der Begriff gewinnt damit eine Dramatik, die er unter Juristen nicht hat. Agamben verstärkt diesen Eindruck, indem er den Begriff der„Gesetzeskraft“ zu einem terminus technicus der Rechts befördert (begrifflich könnte das nur für„Rechtskraft“ gelten) und meint, damit würde eine Trennung zwischen der Anwendbarkeit einer Norm und ihrem Charakter als Gesetz (nicht als Verordnung, Erlass o.ä.) eingeführt (48). Die Gesetzeskraft kann dann – so wie Agamben es sieht -nach Belieben auf alle als souverän verstandenen Akte jeder Art von Herrschaft erstreckt werden.