Was bedeutet Höhe des nicht ausgeglichenen Verlustes ohne Verlust aus der Veräußerung von Aktien?

Anleger/innen investieren gerne in Aktien und setzen auf Kursgewinne. Doch nicht immer geht diese Taktik auf. Immerhin: Kursverluste können steuerlich genutzt werden. Und nicht nur das: Grundsätzlich können im Rahmen der Verlustverrechnung Verluste mit Gewinnen verrechnet werden. Allerdings gibt es eine Vielzahl von Regelungen zu beachten, die eine unbeschränkte Verlustverrechnung verhindern. Wir geben einen Überblick:

Gewinn oder Verlust berechnen

Zuerst einmal müssen Sie Ihren Gewinn oder Verlust berechnen. Dabei können Sie bestimmte Ausgaben vom Erlös abziehen und so den steuerpflichtigen Gewinn verkleinern beziehungsweise den Verlust vergrößern. Die Berechnung sieht wie folgt aus:

Veräußerungserlös

- Veräußerungskosten (wie Bankspesen)
- Anschaffungskosten
- Anschaffungsnebenkosten (wie Bearbeitungsgebühren)

= Veräußerungsgewinn 

Verlustverrechnungstöpfe bei der Bank

Jede/r Anleger/in hat der Bank drei Verlustverrechnungstöpfe:

  1. Verluste aus Aktien
  2. Verluste aus Kapitalvermögen (ohne Aktien)
  3. Ausländische Quellensteuer

Im Folgenden gehen wir auf die Verlustverrechnungstöpfe im Einzelnen ein.

1. Verluste aus Aktien

Hat man Aktien mit Verlust verkauft, so kann man die Veräußerungsverluste nur mit Gewinnen aus Aktienverkäufen aus dem gleichen Jahr oder den Folgejahren verrechnen. Eine Verlustverrechnung mit Dividenden oder Zinsen ist nicht möglich. Dieses Vorgehen nennt man „horizontalen Verlustausgleich“, da Verluste nur innerhalb derselben Einkunftsart ausgeglichen werden dürfen.

Sind die Verluste höher als der Gewinn, hilft Ihnen der sogenannte Verlustvortrag. Die Verluste, die sich steuerlich nicht auswirken konnten, werden dann mit zukünftigen Gewinnen verrechnet.

Wichtig: Der Gesetzgeber hat Ende 2019 neue Regelungen zum steuerlichen Umgang bei der Verrechnung von Verlusten aus Termingeschäften verabschiedet. Diese gelten teilweise bereits seit 01. Januar 2020 und bringen Anleger/innen Nachteile in Bezug auf die Steuer. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel Verluste aus Termingeschäften: Das ändert sich.

Übrigens:

Wer seine Aktien bei Kursverlusten hält, also nicht verkauft, kann die Kursverluste nicht steuerlich geltend machen. Verluste können nur in der Steuererklärung eingetragen werden, wenn Aktien tatsächlich mit Verlust verkauft wurden.

Die Verlustverrechnung übernimmt in der Regel Ihre Bank bzw. Ihr Finanzinstitut für Sie, ohne dass Sie sich darum kümmern müssen: Von positiven Kapitalerträgen wird keine Abgeltungssteuer einbehalten, bis die Verluste ausgeglichen sind.

Haben Sie Ihr Geld aber bei mehreren Banken angelegt, müssen Sie selbst tätig werden: Nehmen wir an, Sie haben Ihr Geld bei mehreren Finanzinstituten angelegt und eine Ihrer Kapitalanlagen ist für Sie ein Verlustgeschäft, aus den anderen erzielen Sie Gewinne. Dann müssen Sie eine Verlustbescheinigung von Ihrer Bank anfordern, bei der Sie die defizitäre Anlage halten. Diese Bescheinigung fügen Sie Ihrer Steuererklärung bei. Das Finanzamt wird den Verlust von Ihren Gewinnen abziehen und dadurch den steuerpflichtigen Gewinn verkleinern.

2. Verluste aus Kapitalvermögen

Haben Sie Verluste aus Kapitalvermögen, die kein Aktienverlust sind – dazu gehört zum Beispiel Verluste aus Anleihen oder Genussscheinen – können Sie diese Verluste mit sämtlichen positiven Kapitalerträgen verrechnen. In diesem Fall ist also auch die Verlustverrechnung mit Zinsen oder Dividenden möglich, nicht aber mit Ihren übrigen positiven Einkünften zum Beispiel aus Vermietung & Verpachtung.

3. Ausländische Quellensteuer

Bei Geldanlagen im Ausland entsteht je nach Doppelbesteuerungsabkommen eine ausländische Quellensteuer. In diesem Verrechnungstopf summiert Ihr Kreditinstitut die ausländische Quellensteuer, da sich der nicht rückforderbare Teil der Quellensteuer mindernd auf die Abgeltungssteuer auswirkt.

Das müssen Ehepaare bei der Verlustverrechnung beachten

Haben Sie und Ihr/e Ehepartner/in Einzeldepots oder Einzelkonten bei einer Bank, ist eine Verlustverrechnung zwischen diesen Konten und Depots möglich. Allerdings müssen Sie dafür einen gemeinsamen Freistellungsauftrag stellen. Sollten Sie das verpasst haben, hilft Ihnen nur noch die Abgabe einer Steuererklärung.

Übrigens:

Wenn Sie Verluste einstecken mussten und sich bei der Steuererklärung deshalb unsicher sind, kommen Sie zu uns, der VLH. Unsere Beraterinnen und Berater sind gerne für Sie da. Finden Sie hier eine Beratungsstelle in Ihrer Nähe: Beratersuche.

 

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Dies ist ein redaktioneller Text des Redaktionsteams der VLH. Es erfolgt keine Beratung zu Themen, die außerhalb der steuerlichen Beratungsbefugnis eines Lohnsteuerhilfevereins liegen. Eine Beratungsleistung im konkreten Einzelfall kann nur im Rahmen der Begründung einer Mitgliedschaft und ausschließlich innerhalb der Beratungsbefugnis nach § 4 Nr. 11 StBerG erfolgen.

Wie werden nicht ausgeglichene Verluste aus Aktienverkäufen steuerlich behandelt?

Verluste aus Aktien Sind die Verluste höher als der Gewinn, hilft Ihnen der sogenannte Verlustvortrag. Die Verluste, die sich steuerlich nicht auswirken konnten, werden dann mit zukünftigen Gewinnen verrechnet.

Wie werden aktienverluste mit Aktiengewinnen verrechnet?

Kursverluste alleine werden steuerlich nicht berücksichtigt. Hat ein Aktionär seine Aktien trotz Kursverluste behalten, können die Verluste nicht mit anderen Aktiengewinnen steuersparend verrechnet werden. Verluste sind nur steuerlich nutzbar, wenn Aktien tatsächlich mit Verlust verkauft wurden.

Kann man Verluste aus Kapitalvermögen aus Vorjahren noch geltend machen?

Denn der Verlust kann noch mit positiven Einkünften anderer Jahre verrechnet werden: Zum einen mit einem Plus, das im Vorjahr entstanden ist, zum anderen aber auch mit positiven Einkünften der Folgejahre.

Wie werden aktienverluste verrechnet Beispiel?

Beispiel für den Verlustvortrag bei Aktien Hat ein Anleger im Jahr 2019 mit Aktien Verluste von 2.100 Euro erlitten, aber mit Aktiengeschäften auch Gewinne von 1.400 Euro erzielt, so liegt der Verlustvortrag bei 700 Euro. Diesen Verlustvortrag nimmt der Anleger mit ins Jahr 2020.